Experten-Interviews

Mai 3/2017

Temporärarbeit: Unternehmen brauchen Flexibilität

Der Arbeitsmarkt befindet sich im steten Wandel. Flexible Arbeitsformen werden immer gefragter. Mit Myra Fischer-Rosinger, Direktorin von swissstaffing, sprechen wir über Temporärarbeit.

Von: Kevin Hofer   Teilen   Kommentieren  

Kevin Hofer

 

Kevin Hofer ist Chefredaktor des HR-Magazins personalSCHWEIZ.

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personalSCHWEIZ: Wie hat sich die Temporärbranche in den letzten Jahren entwickelt?

Myra Fischer-Rosinger: Die Temporärbranche wächst nach wie vor, wenn auch nicht mehr so stark wie vor 10 bis 15 Jahren. Gemäss unseren neusten Zahlen standen im vergangenen Jahr 314 000 Menschen in einem temporären Arbeitsverhältnis und leisteten über 165 Millionen Einsatzstunden – das entspricht 2,1 Prozent der schweizweit geleisteten Arbeitszeit. Damit haben die Schweizer Personaldienstleister rund 7,2 Milliarden Franken in der Temporärbranche umgesetzt.

Worauf ist der Rückgang beim Wachstum zurückzuführen?

In der Schweiz haben wir den europäischen Durchschnittswert erreicht, und darum hat das Wachstum etwas abgenommen. Das zeigt, dass eine Volkswirtschaft einen gewissen Anteil an Temporärarbeit braucht. Ich denke aber, dass dieser Anteil künftig wachsen wird. Dies unter anderem aufgrund von Trends wie der Digi­talisierung oder der Flexibilisierung.

In welchen Branchen wird vor allem temporär gearbeitet?

Grundsätzlich verteilt sich die Temporärarbeit auf alle Sektoren und Branchen der Schweizer Wirtschaft. Gemäss Aktualisierungsstudie von swissstaffing sind rund 39 Prozent der Temporärarbeitenden im Dienstleistungssektor aktiv (Gastgewerbe, Tourismus, Transport, Detailhandel, Gesundheit/Soziales), 37 Prozent in der Industrie (Maschinen-/Elektronikindustrie, chemische Industrie, Nahrungsmittelherstellung) und 24 Prozent im Baugewerbe (Bauhaupt- und Baunebengewerbe). Dabei hat der Anteil an Fachkräften kontinuierlich zugenommen und beträgt heute rund zwei Drittel. Das andere Drittel der Temporärarbeitenden sind Hilfskräfte.

«Unsere Sozialsysteme müssen an die neuen Arbeitsformen angepasst werden.»

Wie viel Wachstumspotenzial sehen Sie noch?

Die Nachfrage nach Temporärarbeit steht immer im direkten Zusammenhang mit der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung und deren Auswirkungen – im positiven wie negativen Sinn – wie Bauboom, Frankenschock, Inländervorrang etc. Der Vorteil der Temporärbranche besteht darin, dass sie kurzfristig und flexibel auf die personellen Bedürfnisse der Firmen auf dem Werkplatz Schweiz reagieren kann.

Zudem wollen auch viele Arbeitnehmende zunehmend flexibel arbeiten und suchen neue Herausforderungen. Wenn diese Tendenz auf dem Arbeitsmarkt in Zukunft fortbesteht, wird die Temporärarbeit auch jenseits der konjunkturellen Entwicklung weiter wachsen.

Die flexible Workforce wird immer mehr auch in der Schweiz zum Thema. Welche Rolle spielt hier die Temporärarbeit?

Unternehmen brauchen Flexibilität, um den sich verändernden Marktdynamiken anzupassen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Auf der anderen Seite wächst, wie gesagt, das Bedürfnis nach flexiblen Beschäftigungsformen auch bei Arbeitnehmenden – mit dem Wunsch, in unterschiedlichen Lebensphasen Arbeit und Freizeit besser vereinbaren zu können. Damit dürfte die Attraktivität des flexiblen Arbeitens in Zukunft steigen. Die Temporärarbeit entspricht als Beschäftigungsform sowohl Arbeitnehmenden als auch Unternehmen. Die Personaldienstleister ermöglichen beiden Seiten die gewünschte Flexibilität.

Diese Flexibilität geht dank dem ausgeklügelten Personalverleih-Regelwerk via Gesamtarbeitsvertrag und Gesetz nicht auf Kosten der sozialen Sicherheit der Arbeitnehmenden. Dies im Unterschied zu anderen, auch neu entstehenden flexiblen Beschäftigungsformen.

Sie haben die soziale Sicherheit angesprochen. Steht sie durch den Anspruch des modernen, flexiblen Arbeitsmarktes nicht noch mehr ­unter Druck?

Die Arbeitswelt verändert sich. Die Lebensarbeitsstelle gibt es nicht mehr oder wird es bald nicht mehr geben. Das heisst nicht, dass es uns schlechter geht. Im Gegenteil, der Wohlstand hat ja massiv zugenommen. Es bedeutet aber, dass unsere Sozialsysteme an die neuen Arbeitsformen angepasst werden müssen. Im GAV Personalverleih ist beispielsweise festgehalten, dass der Koordinationsabzug auf die Stunde gerechnet wird, damit man bereits ab der ersten Arbeitsstunde abgesichert ist. Wenn die Systeme angepasst werden, kann auch die soziale Sicherheit aufrechterhalten bleiben.

Was ist zurzeit die grösste Herausforderung im Personalverleih in Bezug auf Temporärarbeit?

Wie jede Veränderung macht auch die Flexibilisierung der Arbeit gewissen Menschen Angst. Daraus resultieren politische Versuche, die Flexibilität des Arbeitsmarktes einzuschränken. Diese sind eine Herausforderung sowohl für den Personalverleih als auch für den Schweizer Arbeitsmarkt insgesamt. Denn die Flexibilität ist ein wichtiges Element unseres phänomenal funktionierenden Arbeitsmarktes, der aufgrund seiner im internationalen Vergleich äusserst tiefen Arbeitslosenquote als Erfolgsmodell gilt.

Woraus besteht die Angst vor der Flexibilisierung?

Es geht um die Unsicherheit der modernen Arbeitswelt. Nicht alle können gleich mit dieser Unsicherheit umgehen. Ich denke, dass sehr gut qualifizierte Personen besser damit umgehen können. Sie können sicherer sein, den Anschluss zu finden, weil sie spüren, dass sie am Arbeitsmarkt gefragt sind. Personen mit einem schwächeren Bildungsrucksack sind sich vielleicht bewusst, dass sie beim Verlust der Arbeitsstelle nicht so schnell den Anschluss finden können. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich alle weiterbilden.

Wie kann dem begegnet werden?

Es braucht die ernsthafte Auseinandersetzung mit jenen Bevölkerungskreisen, die sich vor Wandel und Flexibilität fürchten und möglicherweise auch das Vertrauen in Politik und Wirtschaft verloren haben. Gefordert sind also sowohl die Politiker als auch die Arbeitgeber.

In Bezug auf die MEI setzt sich swissstaffing intensiv für eine wirtschaftsverträgliche Umsetzung ein. Wir wollen uns proaktiv mit unseren Fachkenntnissen und Sichtweisen einbringen, insbesondere betreffend die Umsetzung der Stellenmeldepflicht. Die Stellenmeldepflicht soll dem Anspruch gerecht werden, dass inländische Arbeitslose prioritär behandelt werden, aber gleichzeitig möglichst unbürokratisch umgesetzt werden. Damit hat sie die meisten Chancen auf Erfolg.

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