Experten-Interviews

Mai 2026

Arbeitgeberpositionierung, Employer Branding & Unternehmenskultur: «Die Erwartungen an uns sind hoch»

Ein starkes Employer Branding allein reicht nicht. Kultur und Werte müssen im Alltag erlebbar sein. Kathrin Kast, Leiterin Human Resources bei Zweifel Chips & Snacks AG, gibt im Titelinterview Einblick in die Positionierung eines traditionsreichen Schweizer Familienunternehmens. Sie zeigt, wie unterschiedliche Berufsrealitäten verbunden werden. Und warum grosse Bekanntheit auch Erwartungen schafft.

Von: Dave Husi   Teilen  

Dave Husi

Dave Husi ist Chefredaktor von personalSCHWEIZ.
Zuvor hat er bei einem Medien-Startup Gründerluft geschnuppert und war bei einem Fachverlag im Medizinbereich journalistisch tätig.

Arbeitgeberpositionierung, Employer Branding & Unternehmenskultur

Frau Kast, eine Frage vorab muss sein: Was sind Ihre Lieblingschips?
Original Nature. Der Klassiker von 1958. Die Zutaten sind perfekt abgewogen. Ich mag den dezenten Geschmack von Kartoffeln und die genau richtige Dosis Salz. Vielleicht kein Zufall: Ich mag Traditionen.

Ein gutes Stichwort. Zweifel ist schon seit Jahrzehnten eine Lovebrand. Das macht Ihren Job einfacher, oder?
Absolut und das ist natürlich schön. Kulturell sind wir sehr stabil. Das soll so bleiben. Nähe, Respekt und Vertrauen. Das ist der Zweifel Spirit. Keine Marketingfloskeln, sondern unser Versprechen. Einzulösen jeden Tag wieder neu im Alltag unserer Mitarbeitenden. Darum beschäftige ich mich aktuell besonders mit der Personalentwicklung. 2025 haben wir ein Konzept ausgearbeitet und den «Entwicklungskompass» konzipiert. Der zeigt uns, in welche Richtung wir uns stärken wollen – fachlich, methodisch, aber auch in den Haltungen. In den nächsten Monaten packen wir dann die Entwicklung der Führungskräfte an. Wir fragen uns, welche Kompetenzen wir bei Zweifel brauchen, damit wir auch morgen noch erfolgreich sind.

Tradition klingt nach Museum. Wie machen Sie daraus einen Wettbewerbsvorteil?
Ja, Tradition hat oft den Beigeschmack von leicht verstaubt. Aber ursprünglich bedeutet es «weitergeben» oder «anvertrauen ». Das passt perfekt zu einem Familienunternehmen, das in der vierten Generation geführt wird. Ein grosser Erfahrungsschatz aus Erfolgen und Misserfolgen wird überliefert. Der Pioniergeist der Familie Zweifel zeigt sich darin, dass Mitarbeitende bei uns mitdenken, mitgestalten und neue Wege ausprobieren dürfen. Qualität bedeutet heute für uns nicht nur ein gutes Produkt, sondern auch gute Führung und gute Zusammenarbeit. Apropos gute Zusammenarbeit: In einem halben Jahr haben wir 50 Workshops in allen Teams durchgeführt. Jedes Team hat relevante Massnahmen für sich definiert und konkret daran gearbeitet. Kein Lippenbekenntnis, sondern ehrliches «Handwerk».

Jedes Kind kennt Zweifel Chips. Ist diese Bekanntheit Fluch oder Segen für das Recruiting?
Segen, ganz klar, mit einem kleinen «Aber». Ja, man kennt uns, und die Herzen fliegen uns zu – auch als Arbeitgeberin. Wir profitieren von einem enormen Vertrauensvorschuss. Der öffnet Türen. Aber am Ende zeigt sich das wahre Bild hinter der Fassade. Bewerber*innen kommen wegen der Marke. Ob sie bleiben, entscheidet die Kultur. Das «Aber»: Die Erwartungen an uns sind hoch. Ansprechende Kampagnen, Innovationskraft, rascher «time to market» – all das strahlt von der Marke ab. Die Leute gehen davon aus, dass das auch intern so ist. Das zwingt uns zu Ehrlichkeit, und wir dürfen nicht nachlassen.

Im Employer Branding malt man sich als Arbeitgeber gerne einfach ein wenig bunt an. Wie merken Ihre Mitarbeitenden, dass Sie es ernst meinen?
Indem wir Employer Branding von innen nach aussen denken. Wir versprechen nichts, was wir nicht halten können. Employer Branding beginnt nicht auf Social Media, sondern im Führungsalltag, in Gesprächen, in Entscheidungen. Wenn die Mitarbeitenden sagen: «Ja, das passt», dann sind wir auf dem richtigen Weg. Wir schauen zuerst in den Spiegel, bevor wir uns ins Schaufenster stellen. Deshalb investieren wir gezielt in Führung und in unsere Lernkultur. Zusammen mit Great Place to Work haben wir im letzten Jahr alle Mitarbeitenden befragt. Das Resultat hat uns bestätigt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind. Die Feedbacks haben uns aber auch gezeigt, wo wir uns noch verbessern dürfen: bei der Führungskräfteentwicklung und bei der Transparenz von Regeln und in Prozessen. Zwei Themen, die wir jetzt unternehmensweit anpacken.

Wo läuft es noch nicht so rund – und trauen Sie sich, das laut zu sagen?
Überall dort, wo Wachstum auf Gewohnheit trifft, gibt es natürlich auch Reibung. Veränderung ist nicht immer bequem. Aber wir sprechen das an. Führungskräfte sind dabei in der Pflicht: Konflikte dürfen nicht weichgespült werden. Manche sind da etwas schneller, andere etwas zögerlicher. Dies bedingt eine Kultur mit offenem Austausch, welche wiederum auf Vertrauen basiert. Ich erlebe das auch bei mir selbst. Bei meinem Chef und CEO Christoph Zweifel kann ich alles ansprechen. So soll es überall sein. Wir verstehen Feedback als Lernquelle, nicht als Kontrolle.

Nicht wegschauen, sondern hinschauen und verbessern – das ist unser Antrieb. Diese Liebe zum Detail, dieses immer noch einen Tick besser werden, das steckt auch in mir drin. Ich durfte schon sehr früh Verantwortung übernehmen, sei es bei der Pilotenausbildung, in meiner Militärzeit oder auch in der Luxushotellerie. Und ich glaube, diese Haltung passt gut zu Zweifel.

Was würden Mitarbeitende nach dem ersten Monat sagen, was sie überrascht hat?
Bei meinem eigenen Start im November 2024 war ich ehrlich überrascht: Die Identifikation der Kolleg*innen mit dem Unternehmen ist aussergewöhnlich. Der Stolz ist spürbar, aber ohne Arroganz. Eher: «Wir packen es gemeinsam an!» Der Zweifel Spirit lebt in echten Gemeinschaftserlebnissen. Im Business, aber auch beim Feiern. Das können wir gut. Wir nehmen unsere Arbeit sehr ernst. Uns selbst aber nicht so. Humor ist uns wichtig und macht auch arbeitsintensive Zeiten verdaulicher.

«Wir haben ein super Team, ich kann sehr selbstständig arbeiten, und es wird mir Vertrauen geschenkt. Zweifel hat eine familiäre Kultur, die auch gepflegt wird.» Solche Aussagen direkt aus dem Team sind für mich die ehrlichste Standortbestimmung. Kein Hochglanz-Folder, sondern gelebter Alltag.

Produktion und Headoffice – unterschiedliche Standorte: gleiche Firma, andere Welten. Wie kriegen Sie das unter einen Hut?
Wir haben ein gemeinsames Fundament: unsere Werte. Unterschiedlich sind die Schwerpunkte. In der Produktion sprechen Themen wie Arbeitsumfeld, Sicherheit, Planbarkeit und sichtbare Wertschätzung stärker an. Im Office, in der Produktentwicklung oder im Marketing geht es um andere Themen: Um Ideen, Gestaltungsspielraum und partizipatives Arbeiten. Wir handeln und kommunizieren da zielgruppengerecht.

Bleiben wir noch kurz bei den unterschiedlichen Berufsgruppen. Wie erklären Sie jemandem in der Produktion, warum andere von zu Hause arbeiten dürfen?
Das ist gar nicht so schwierig. Fast alle verstehen, dass wir für unterschiedliche Berufsgruppen auch unterschiedliche Rahmenbedingungen haben. Wir knüpfen Zugehörigkeit an Respekt, Teamgeist und individuell gute Arbeitsbedingungen. So investieren wir viel in die Infrastruktur an unseren Produktionsstandorten Spreitenbach und Münsingen, z.B. in das Personalrestaurant, in ergonomische Arbeitsplätze, moderne Technik oder auch zweckmässige Garderoben. Das zeigt, dass Arbeitsqualität Priorität hat. Dazu kommen Nähe in der Führung, klare Schichtmodelle und transparente Kommunikation. Und, ganz wichtig: Wir versuchen immer wieder, den Mitarbeitenden zu vermitteln, wie wichtig jede*r Einzelne ist und was sie tun.

ZUR PERSON
Kathrin Kast (46), verheiratet und Mutter von zwei Söhnen, ist seit November 2024 Leiterin Human Resources bei der Zweifel Chips & Snacks AG. Zuvor war sie als Director of Human Resources und Mitglied der Geschäftsleitung im Baur au Lac sowie als Group HR Business Partner bei Lindt & Sprüngli (International) AG tätig. Ihr Anspruch ist es, strategische HR-Themen wirksam und praxisnah zu gestalten, mit Fokus auf Führung, Kultur und Entwicklung. Früh lernte sie Verantwortung zu übernehmen: geprägt durch die Pilotenausbildung im Alter von 17 Jahren sowie der Zeit bei der Armee, in der sie sich innert drei Jahren von der Soldatin bis zur Offizierin entwickelte. Sie schloss das Bachelorstudium an der École hôtelière de Lausanne (EHL) und einen MAS in Human Capital Management an der ZHAW ab.

Dies ist eine gekürzte Fassung des Interviews. Lesen Sie das ganze Gespräch in der aktuellen Printausgabe.

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