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Verein «Stop Mobbing & Bossing»: Neue Anlaufstelle bei Mobbing durch Vorgesetzte

St. Gallen, 28.09.26 – In St. Gallen ist heute der Verein «Stop Mobbing & Bossing» gegründet worden. Er betreibt die Plattform bossing.ch, die Betroffenen von Mobbing und Bossing am Arbeitsplatz kostenlos und anonym Informationen, Orientierung und Selbsthilfe-Tools bietet. Damit erhält die Schweiz erstmals eine klar erkennbare, unabhängige Erstanlaufstelle speziell für Angestellte, die unter Schikanen durch Vorgesetzte leiden.

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Verein «Stop Mobbing & Bossing»

Wenn der Druck von oben kommt

Wer am Arbeitsplatz systematisch schikaniert wird, weiss oft nicht, wohin. Besonders schwierig ist die Lage, wenn die Angriffe von Vorgesetzten ausgehen; dafür hat sich der Begriff Bossing etabliert. Das Machtgefälle versperrt in diesen Fällen häufig die internen Meldewege: Wer Dienste einteilt, Leistungen beurteilt und über die berufliche Zukunft mitentscheidet, hat Mittel, die Kolleginnen und Kollegen nicht haben. Bereits die SECO-Studie von Kiener et al. (2002), die bislang umfassendste Schweizer Erhebung zum Thema, nannte Vorgesetzte in 51,3 Prozent der Mobbingfälle als Hauptverantwortliche. Aktuellere gesamtschweizerische Daten fehlen; auch das unterstreicht aus Sicht des Vereins den Handlungsbedarf.

«In der Schweiz fehlte bislang eine unabhängige Erstanlaufstelle speziell für Konflikte mit Vorgesetzten. Betroffene zweifeln oft monatelang an sich selbst, statt das Muster zu erkennen», sagt Präsidentin Nadine Müller-Krontiris. «Genau hier setzen wir an: Wir helfen, dem Ganzen einen Namen zu geben, verständlich, anonym und kostenlos.»

Wie sich Bossing anfühlt

«Zwanzig Jahre auf derselben Abteilung, und auf einmal war ich das Problem. Die neue Stationsleitung teilte mir auffällig oft die unbeliebten Dienste zu und kritisierte mich vor dem ganzen Team. Ich dachte lange, ich sei zu alt geworden für den Job. Erst als eine Kollegin sagte, das habe einen Namen, begann ich zu verstehen: Es lag nicht an meiner Arbeit.» (Pflegefachfrau, 51)

Fiktives Fallbeispiel von bossing.ch, basierend auf typischen Verläufen.

Das Angebot von bossing.ch

Auf der Plattform finden Betroffene einen kostenlosen Selbsttest in Anlehnung an das wissenschaftlich etablierte LIPT-Inventar, der in wenigen Minuten zeigt, ob das Erlebte Anzeichen von Bossing hat. Ein Mobbingtagebuch als Vorlage unterstützt bei der Dokumentation von Vorfällen, die für Gespräche mit Arbeitgebern und für allfällige rechtliche Schritte entscheidend ist. Dazu kommen verständlich aufbereitete Informationen zu den rechtlichen Grundlagen, etwa zur Fürsorgepflicht des Arbeitgebers nach Art. 328 OR, sowie ein Wegweiser zu Fachstellen in der ganzen Schweiz.

Der Verein arbeitet unabhängig und nicht-kommerziell. Er bietet bewusst keine persönliche Einzelfallberatung an, sondern konzentriert sich auf Information, Einordnung und Weitervermittlung an geeignete Stellen. Alle Angebote sind anonym nutzbar. Neben Betroffenen richtet sich die Plattform auch an Arbeitgeber, die Bossing in ihrer Organisation erkennen und verhindern wollen.

«Wer versteht, was passiert, kann handeln», sagt Vize-Präsidentin Heidrun Föhn. «Unser Selbsttest und das Mobbingtagebuch geben Betroffenen erste Werkzeuge in die Hand, bevor die Situation eskaliert und die Gesundheit Schaden nimmt.»

Gemeinnützig und ehrenamtlich getragen

Der Vorstand arbeitet ehrenamtlich. Die Gemeinnützigkeit ist beim Kanton St. Gallen beantragt; finanziert wird der Verein über Förderbeiträge von Stiftungen sowie Spenden und Gönnerbeiträge. Geplant sind der weitere Ausbau der Plattform, Öffentlichkeitsarbeit sowie Workshops und Referate.

Über den Verein

Der Verein «Stop Mobbing & Bossing» mit Sitz in St. Gallen wurde am 24. September 2026 gegründet. Präsidentin ist Nadine Müller-Krontiris, Vize-Präsidentin Heidrun Föhn. Der Verein betreibt die Plattform bossing.ch und setzt sich für die Prävention von Mobbing und Bossing am Arbeitsplatz sowie für die Stärkung Betroffener ein.

(Quelle: Medienmitteilung von Stop Mobbing & Bossing Verein)

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