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Unpopuläre Wahrheiten: Change braucht mehr Zumutung und weniger Harmonie
Change soll heute vor allem eines sein: wertschätzend, partizipativ, rücksichtsvoll. Das ist zwar wichtig für den Erfolg – greift aber zu kurz. Denn Veränderungen scheitern selten an fehlender Harmonie, oft jedoch an zu wenig Führung. Wo Beteiligung zum Selbstzweck wird und Konsens zum Ziel, verliert der Prozess seine Richtung. Besonders problematisch wird es, wenn Partizipation Führung ersetzt und der Change komplett an die Organisation, das HR oder einen Change-Manager delegiert wird.
Aus Angst vor Widerstand werden die wahren Ziele verschwiegen, Tatsachen beschönigt, falsche Versprechungen gemacht und Erwartungen an Management und Mitarbeitende verklausuliert. Statt Klartext gibt es Einladungen zu Dialog und Feedback, statt Entscheide und Orientierung gibt es Abstimmungsrunde um Abstimmungsrunde. Kaum jemand kann benennen, worum es eigentlich geht.
Doch Change ist kein Wohlfühlprogramm. Er bedeutet Verlust von Vertrautem, Routinen, Status oder Zugehörigkeit und ist immer eine Bedrohung. Das lässt sich nicht schönreden oder wegmoderieren. Wer tut, als ginge Change ohne Zumutung, nimmt Mitarbeitende nicht ernst. Und erreicht genau das, was er eigentlich vermeiden wollte. Er zerstört den wichtigsten Nährboden für Veränderungen: das Vertrauen.
Zumuten bedeutet zutrauen. Es fördert Selbstständigkeit und ermöglicht Wachstum. Führen im Veränderungsprozess heisst nicht, es allen recht zu machen, sondern Erwartungen zu formulieren, Orientierung zu geben und Verantwortung zu übernehmen. Auch – oder gerade dann – wenn es unbequem wird. Denn Widerstand im Change macht durchaus Sinn. Er zeugt von Betroffenheit und Interesse. Und er bringt die Organisation voran, sofern die Konflikte offengelegt und ehrlich adressiert werden.
Change braucht Zumutung. Er braucht Führungspersönlichkeiten mit Rückgrat und dem Mut, unpopuläre Wahrheiten auszusprechen. Er braucht Haltung, Präsenz und Authentizität. Nur so entsteht ein Klima des Vertrauens, das echten Austausch und damit nachhaltige Veränderung möglich macht.
Diese Kolumne ist in der Ausgabe März 2026 von personalSCHWEIZ erschienen.
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