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Steigende Kosten für Hardware: Warum wir unser Schwarz-Weiss-Denken ablegen müssen
Die Debatte um den Arbeitsplatz von morgen hat sich in den vergangenen Jahren vor allem um das Thema Flexibilität gedreht. Hybrid Work, Remote-first, Desk-Sharing – HR-Verantwortliche haben Arbeitskonzepte grundlegend hinterfragt, Büros umgestaltet und Richtlinien überarbeitet.
Heute lässt sich festhalten, dass die Vision vom neuen Arbeiten zwar nicht verschwunden, aber zumindest temporär von einer Thematik verdrängt wurde, die man vor kurzem noch gar nicht mit Personalabteilungen in Verbindung gebracht hätte. Die Rede ist von steigenden Hardwarepreisen, Engpässen in den Lieferketten und dadurch entstehenden Verzögerungen bei den Erneuerungszyklen.
Viele Unternehmen können es sich gerade schlicht und ergreifend nicht leisten, die aufgerufenen Preise für neue PCs zu bezahlen, was in der Belegschaft zu Frust und Resignation führen kann. Wer glaubt, dass diese Entwicklung lediglich die interne IT-Abteilung betrifft, unterschätzt, was auf dem Spiel steht.
Willkommen im Zeitalter des «Ramageddon»
Seit 2025 sorgt ein weltweiter Engpass bei Arbeitsspeicher und Datenspeicherchips dafür, dass Laptops und Computer deutlich teurer werden. Analysten rechnen damit, dass die Preise für Notebooks spürbar anziehen werden – in einem Ausmass, das viele Unternehmen dazu zwingen wird, geplante Geräteerneuerungen zu verschieben. Der historische Vergleich macht die Tragweite deutlich: Als 2018 ein ähnlicher Engpass bei Prozessoren entstand, sank die PC-Nachfrage um rund sieben Prozent. Obwohl damals nur eine Komponente betroffen war. Heute stehen die Preise für Speicher, Prozessoren und Komponenten parallel unter Druck. Überspitzt kann die Lage, die bis mindestens 2027 anhalten wird, als «Ramageddon» bezeichnet werden.
Das Ergebnis kennen viele HR-Abteilungen bereits: Das Budget für neue Geräte ist eingefroren. Der Refresh-Zyklus wird um ein, zwei, vielleicht sogar drei Jahre verschoben. Und die Mitarbeitenden sitzen weiter an Geräten, die sie längst ausbremsen, statt sie in ihrer Motivation und Produktivität zu fördern.
Warum das Thema so wichtig für die HR ist
Wer Mitarbeitende gewinnen, halten und motivieren will, muss ehrlich mit sich sein: Die technische Ausrüstung ist keine Randnotiz, sondern ein zentraler Faktor für die allgemeine Arbeitszufriedenheit. Wer täglich mit einem langsamen, fehleranfälligen Setup kämpft, wird irgendwann frustriert sein – unabhängig davon, wie gut das Onboarding war oder wie attraktiv das Büro gestaltet ist.
Die HR ist von diesem Umstand in besonderem Masse betroffen: Eine Recruiterin, die ein digitales Bewerbungsgespräch führt, sendet mit ihrer technischen Ausstattung automatisch eine Botschaft – auch wenn sie das nicht beabsichtigt. Ein verpixeltes Bild, schlechter Ton, eine ruckelnde Verbindung: Das sind keine Kleinigkeiten. Für Bewerberinnen und Bewerber ist das der erste Eindruck vom Unternehmen. Und erste Eindrücke lassen sich nur schwer korrigieren.
Ähnliches gilt für Onboardings, Mitarbeitergespräche oder Teamrunden, die hybrid abgehalten werden. HR-Fachleute sind darauf angewiesen, Vertrauen aufzubauen. Und das fällt natürlich viel schwerer, wenn die Verbindung abbricht oder das Gegenüber kaum zu verstehen ist.
Der zentrale Denkfehler bei der Geräteerneuerung
Es gibt eine weit verbreitete Annahme in Unternehmen, durch die Erneuerungszyklen weiter ausgebremst werden: Ein Gerät muss komplett ersetzt werden, damit sich etwas verbessert. Die Devise lautet: Entweder ganz oder gar nicht. Entweder ein neuer Laptop – oder alles bleibt so wie es ist.
Diese Logik ist nicht nur teuer, sie ist auch unnötig einschränkend. Was die Produktivität und das Arbeitserlebnis im Alltag tatsächlich bestimmt, ist oft nicht das Gerät selbst, sondern das, womit man es nutzt. Wie klar ist das Kamerabild im Meeting? Wie gut filtert das Headset Umgebungsgeräusche heraus? Wie leise und präzise reagiert die Maus? Wie ergonomisch ist die Tastatur für jemanden, der täglich acht Stunden tippt?
Diese Faktoren lassen sich verändern – auch ohne neuen Laptop. Sie eröffnen der HR völlig neue Möglichkeiten, selbst wenn das Budgetgespräch mit der Geschäftsführung noch aussteht.
Was konkret geht – auch jetzt, mit begrenztem Budget
Der Ansatz, den ich vor diesem Hintergrund als den wirkungsvollsten Hebel betrachte, ist so simpel wie viel versprechend: Ein Schritt nach dem nächsten und gezielte Massnahmen, statt der Giesskannen-Taktik. Oder anders formuliert: Nicht alles auf einmal, sondern dort investieren, wo der erwartete Effekt am grössten ist.
Für HR-Teams bedeutet das in der Praxis zum Beispiel:
Eine hochwertige Webcam für alle, die regelmässig Bewerbungsgespräche führen oder in Verhandlungen mit Kandidatinnen und Kandidaten stehen. Das Signal, das ein klares, professionelles Bild übermittelt, kostet einen Bruchteil eines neuen Laptops – und ist für den ersten Eindruck trotzdem entscheidend.
Ein gutes Headset mit Geräuschunterdrückung für diejenigen, die in umtriebigen Umgebungen den Fokus wahren und regelmässig wichtige Calls führen müssen. Wer im Grossraumbüro ein Mitarbeitergespräch führt, braucht dafür die entsprechende technische Ausrüstung.
Eine ergonomische Maus und Tastatur für Mitarbeitende, die täglich viele Stunden am Rechner arbeiten. Gerade dann, wenn ein Gerätewechsel noch Monate entfernt ist. Gesundheit am Arbeitsplatz ist kein Nice-to-have, und repetitive Belastungen entstehen unabhängig davon, wie alt der Laptop ist.
Der Schritt zu einem guten Arbeitserlebnis ist kleiner als viele denken
Hardware-Engpässe sind ein globales Problem, auf das die wenigsten von uns Einfluss nehmen können. Beim Umgang damit lässt sich allerdings sehr viel bewegen. Unternehmen, die jetzt abwarten und auf den nächsten vollständigen Gerätezyklus hoffen, gehen ein echtes Risiko ein: sinkende Produktivität, wachsende Frustration, im schlimmsten Fall stille Kündigungen von Mitarbeitenden, die das Gefühl haben, nicht ausreichend ausgestattet zu werden.
Die gute Nachricht ist, dass die Lücke zwischen alten PCs und einem guten Arbeitserlebnis kleiner ist, als viele denken. Modulare Upgrades, die auf die Peripherie abzielen, lassen sich schnell einführen und bei einem vergleichsweise geringen administrativen Aufwand skalieren. Das strapazierte Budget wird geschont und doch ist der Effekt ab dem ersten Tag spürbar.
Die grundlegende Erneuerung der Geräte-Infrastruktur kann warten. Produktivität und ein professionelles Miteinander sollten es nicht.
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