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Neuorganisation bei Careerplus: «Die Zeit der Generalisten ist vorbei»

Marketingkompetenzen sind gefragt: Der bekannte Personalberater Careerplus stellt die Weichen für die Zukunft und verlegt das Recruiting ins Marketing. Im Interview erklärt Raphael Zahnd, Leiter ­Innovation & Business Development, wieso dieser Schritt nötig war und wieso er anderen Firmen das Gleiche rät.

Von: Raphael Zahnd  Teilen Kommentieren 

Raphael Zahnd

Raphael Zahnd ist Verantwortlicher Brand Management & Innovation bei Careerplus. Zudem befasst er sich in seiner Funktion intensiv mit den Trends rund um die Rekrutierung 4.0 sowie Arbeit 4.0 und hat sich auf Innovationsmanagement in diesem Bereich spezialisiert.

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Herr Zahnd, bei Careerplus wurde vor Kurzem das klassische HR aufgelöst. Das Recruiting ist nun Teil des Marketings. Was versprachen Sie sich von der Neuorganisation?

Mit diesem wichtigen strategischen Entscheid wollen wir das Marketing-Denken in der Rekrutierung verankern. Marketing- und Online-Marketingmassnahmen haben in der Rekrutierung deutlich an Gewicht gewonnen. Dem wollen wir Rechnung tragen.

Und, wurden die Erwartungen ­erfüllt?

Bisher haben sich die Erwartungen erfüllt. Die Zusammenarbeit verläuft viel direkter als vorher. Marketing ist nicht mehr nur beratend bei Personalmarketingthemen dabei: Vielmehr diskutieren wir im Recruiting auf Augenhöhe mit und helfen, wichtige Entscheidungen zu treffen und Massnahmen zu erarbeiten. Wir sprechen nicht mehr von Personalbeschaffung, sondern von Personalgewinnung.

Aus welchen Gründen ist das Recrui­ting ausgerechnet beim Marketing angegliedert?

In den letzten fünf Jahren hat sich in der Rekrutierung einiges verändert: Marketing- und Sales-Strategien haben deutlich an Bedeutung gewonnen, klassische HR-Kompetenzen verlieren an Gewicht. Unternehmen müssen sich in der Personalgewinnung vermehrt proaktiv um die Gunst der Talente und Fachleute bemühen und sich der neuen Generation von Bewerbern anpassen. Man muss sich kommunikativ positionieren und im Markt sichtbar sein. Zudem kommen auch vermehrt neue Technologien in der Rekrutierung zum Einsatz. Stichworte dazu sind Employer Branding, Personalmarketing, Mobile Recruiting, Social Media Recruiting, Video Recruiting, Suchmaschinenoptimierung sowie Active Sourcing und Direktansprache. Alles Themenbereiche, in denen HR entweder Marketingkompetenzen hätte selber aufbauen müssen oder intensive Unterstützung vom Marketing gebraucht hat. Mit der Neuorganisation machen wir einen Schritt in die Zukunft und übergeben die Rekrutierungskompetenzen ins Marketing.

Sie würden diesen Schritt also auch anderen Firmen empfehlen?

Ja, natürlich. Ich empfehle sowieso jedem Unternehmen, seine aktuelle Situation in der Personalgewinnung zu überprüfen. Gibt es einen roten Faden vom Employer Brand über die HR-Marketing-Massnahmen bis hin zu der tagtäglichen Rekrutierung? Werden alle wichtigen HR- und Marketing-Aufgaben in der Personalgewinnung vernetzt angegangen? Und das Wichtigste: Ist die Personalgewinnung erfolgreich? Welche Ziele hat man sich gesteckt und wurden diese erreicht?

Welche Schwierigkeiten gab es bei der Umsetzung?

Die Rekrutierung ist noch heute ein wichtiger Bestandteil der Aus- und Weiterbildungen im Personalwesen. Auch historisch bedingt war die Rekrutierung immer ein Teil vom HR. Jedoch gibt es grosse Berührungsängste im Bereich der Digitalisierung, bei neuen Technologien und eben auch bei Marketingthemen. Dies zeigte sich auch in den Diskussionen während der Reorganisation. Viele HR-Fachleute wollen sich nicht für einen bestimmten Bereich entscheiden, sondern möchten die Rekrutierung und alle weiteren HR-Kompetenzen wie bisher bedienen. Mit den Entwicklungen in den letzten Jahren wurde der Kompetenzen-Rucksack aber zu breit und zu schwer, als das er von einem HR-Generalisten noch zu tragen gewesen wäre.

«In den letzten fünf Jahren hat sich in der Rekrutierung einiges verändert: Marketing- und Sales-Strategien haben deutlich an Bedeutung gewonnen, klassische HR-Kompetenzen verlieren an Gewicht.»

Ist das Weiterbildungsangebot für HR-Fachleute in Ihren Augen veraltet? Müssten mehr Spezialisten und weniger Generalisten ausgebildet werden?

HR-Fachleute werden heute in erster Linie in der Personalauswahl, nicht aber in der Personalgewinnung ausgebildet. Natürlich gibt es tolle Angebote für Employer Branding und HR-Marketing-Ausbildungen. Im Alltag haben diese Fachleute dann aber wenig Berührungspunkte zu den Personen, die an der Front rekrutieren. Und dort fehlt es oft am richtigen Mindset, auch mal aktiv in den Markt reinzugehen und die Kandidaten über verschiedene Kanäle und Tools anzusprechen.

Gibt es denn jetzt überhaupt kein HR mehr bei Careerplus?

Doch, das gibt es noch. Einfach in neuer Form: Careerplus ist schweizweit an 13 Standorten tätig. Unsere internen Dienste haben wir in Bern zentralisiert. Hier erbringen wir unsere Dienstleistungen für Careerplus wie auch für zwei Schwesterfirmen aus anderen Branchen. Organisatorisch haben wir uns in zwei Bereiche aufgeteilt: Marketing & Personalgewinnung sowie Finanzen & Administration. Innerhalb des Bereiches Finanzen & Administration haben wir neu ein HR-Team, das sich um alle Aufgaben der HR-Administration, aber auch um HR-Projekte kümmert.

Welche personellen Konsequenzen hatte die Neuorganisation? Wo wurden Stellen geschaffen, wo gestrichen?

Die bestehenden HR-Fachleute konnten sich während der Reorganisation für eine der beiden Spezialisierungen entscheiden – also entweder Personalgewinnung oder HR-Administration und -Projekte. Mit einer Ausnahme konnten wir alle bestehenden Mitarbeitenden für die neue Organisation ins Boot holen. Stellen gestrichen haben wir keine. Im Gegenteil: In der Administration konnten wir eine neue Stelle für Projekte schaffen.

Wurde das Personal in der Marketingabteilung beispielsweise in der Rekrutierung geschult?

Da zwei Personalfachfrauen vom HR-Team ins Marketing wechselten, war das nicht nötig. Zudem beschäftigt sich das Marketing seit mehreren Jahren mit der Personalgewinnung. Somit war auch in dieser Hinsicht keine Schulung nötig.

Hat sich nur die Organisation des HR bei Careerplus verändert oder auch die Art und Weise der Rekrutierung, der Bedarf, die Kultur etc.?

Die Rekrutierung hat in der kurzen Zeit bedeutend an Tempo und Durchlauf gewonnen. Wir rekrutieren neu quasi in real time und treiben die Prozesse möglichst rasch voran – Kandidaten müssen nicht auf uns warten. Zudem haben wir bereits mit den ersten kleinen Massnahmen in der Suchmaschinenoptimierung, im Active Sourcing und im Online Marketing die Anzahl Bewerbungen deutlich erhöhen können.

Wie sieht so eine kleine Massnahme aus?

Wir schreiben beispielsweise unsere Stellen nicht mehr nur mit den internen Titeln aus, sondern versuchen mit unterschiedlichen Titeln und Texten die gewünschten potenziellen Kandidaten anzusprechen. Zudem haben wir unsere Anzeigen zum Teil deutlich gekürzt und suchmaschinenoptimiert.

Ist die Neuorientierung damit abgeschlossen oder planen Sie noch ­andere Veränderungen?

Die Reorganisation ist abgeschlossen. Aber die Personalgewinnung bleibt ein sehr dynamischer Bereich. Genauso wie im Marketing müssen sämtliche Massnahmen immer auch analysiert, angepasst, ausgebaut oder gestrichen und durch neue ersetzt werden. Besonders im Online Marketing bleiben wir ständig in Bewegung und testen neue Kanäle, Quellen und Technologien aus.

Zur Person

Raphael Zahnd ist Leiter Innovation & Business Development bei Careerplus. Er ist Spezialist für Online Marketing, Content Marketing im HR/Personalwesen, Employer Branding, Markenführung sowie Online- und Social-Media-Recruiting. Zudem befasst er sich in seiner Funktion intensiv mit den Trends rund um die Rekrutierung 4.0 sowie Arbeit 4.0 und hat sich auf Innovationsmanagement in diesem Bereich spezialisiert. Der Vater zweier Kinder arbeitet Teilzeit und zeigt auch neben dem Beruf Ausdauer: sei es auf Mountainbike-Touren, an Langlaufrennen oder bei der Kinderbetreuung.

Zu Careerplus

Careerplus ist die führende Schweizer Personalberatung für die Rekrutierung von qualifiziertem Fachpersonal aus den Berufsgruppen Finanzen, HR, Sales, Technik, IT und Studienabgänger. In 13 Städten vermitteln wir mit über 120 Rekrutierungsspezia­listen erfahrene Mitarbeitende für Dauerstellen, temporäre Anstellungen, Stages und Projekte.

 

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