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Lifelong Learning: Was wissen Sie morgen noch?
Die Halbwertszeit des Wissens nimmt immer weiter ab: Das Fachwissen veraltet, neue Erkenntnisse entstehen, oder das bestehende Wissen wird mit Neuem überlagert. Es wird deutlich gezeigt, dass Wissen ein dynamisches Gut ist, das stetig erneuert und erweitert wird. Zusätzlich werden auf dem Arbeitsmarkt immer mehr Soft Skills und Future Skills verlangt. Zukunftskompetenzen müssen auch immer wieder gelernt und an die bevorstehende Situation angepasst werden.1 Diese Fähigkeiten sind besonders in der heutigen schnelllebigen Arbeitswelt zentral.2 Lebenslanges Lernen wird damit zur unverzichtbaren Grundhaltung.
Lifelong Learning: Definition
Lebenslanges Lernen, oder Lifelong Learning, erstreckt sich, wie der Name es schon sagt, von der Geburt bis zum Ableben, also über die ganze Lebenszeit hinweg. Dabei ist nicht nur das formale, akademische Lernen gemeint, sondern auch das informelle Lernen, zum Beispiel was man von Familie und Freunden lernt. Lebenslanges Lernen zielt darauf ab, dass Menschen kontinuierlich Lernmöglichkeiten nutzen und ihr volles Potenzial entfalten.3 Die Definition bezieht sich auf die berufliche und persönliche Entwicklung und ist ein Erfolgsfaktor im Bereich der Personalentwicklung.4
Ein wichtiger Faktor beim lebenslangen Lernen ist das selbstgesteuerte Lernen. Von den Lernenden selbst werden dabei eigene Ziele und Lernstrategien bestimmt, und die Verantwortung liegt bei ihnen, diese zu erreichen. Das bedeutet nicht, dass dabei keine Inputs von aussen kommen und die Lernenden komplett auf sich allein gestellt sind. Rahmenbedingungen oder Lerninhalte können weiterhin vorgegeben werden.5 Die Verantwortung, etwas zu lernen, liegt also ganz bei den Lernenden selbst. Mit dem richtigen Mindset und der richtigen Vorgehensweise kann so ein Leben lang immer Neues dazugelernt werden.
Beim lebenslangen Lernen spielt auch das Mindset der Personen eine Rolle. Die Psychologin Carol Dweck unterscheidet zwischen dem Fixed und Growth Mindset. Beim Fixed Mindset steht die Annahme, dass Intelligenz und Fähigkeiten angeboren und statisch sind, im Vordergrund. Ein solches Mindset kann zu Demotivation führen; Fehler werden vermieden, um das Gefühl von Kompetenz aufrechtzuerhalten. Im Gegensatz dazu steht das Growth Mindset. Dieses basiert auf der Überzeugung, dass Fähigkeiten und Intelligenz nicht angeboren sind, sondern über die Lebensspanne hinweg immer weiterentwickelt werden können. In diesem Mindset werden Schwierigkeiten als Lernchance gesehen, und es wird aktiv nach Herausforderungen gesucht, damit man sich weiterentwickeln kann. Ein Growth Mindset kann durch bewusste Übungen und Reflexionen antrainiert werden.6 Lebenslanges Lernen und das Growth Mindset bedingen sich gegenseitig: Wer davon überzeugt ist, dass Wachstum immer möglich ist, wird auch immer wieder den Mut aufbringen, Neues zu wagen und zu lernen.
KI-unterstütztes Lernen
Die künstliche Intelligenz zählt mittlerweile als zentraler Treiber lebenslangen Lernens1. Mehr als jede*r zweite Internetnutzer* in der Schweizer Bevölkerung nutzte 2024 bereits ein KI-Tool. Dies sind bereits 17% mehr als im Vorjahr. Mehr als jede dritte Person nutzte das KI-Tool in der Bildung oder für die Arbeit.7 Umso wichtiger ist es daher, zu beleuchten, inwiefern KI-Tools mit nachhaltigem und langfristigem Lernen vereint werden können.
Anhand von Lernalgorithmen, die in KISystemen eingebaut sind, werden massgeschneiderte Lernpfade erstellt. Somit kann der persönliche Lernprozess und -erfolg gezielt gestärkt werden. Weiter kann die KI als strategisches Werkzeug verwendet werden, um Prozesse und Kompetenzen in einem Unternehmen übersichtlich zu organisieren und so spezifische strategische Ziele für eine Organisation zu definieren1. Beim Lernen im Zusammenhang mit KI werden fünf Dimensionen voneinander unterschieden: lernen über, durch, trotz, ohne und mit KI. In jeder dieser Dimensionen sollten passende Lerngelegenheiten geschaffen werden.8 KI ermöglicht also Lernen im Alltag, ohne festes Kursformat oder Lernzeiten, und bietet daher eine Lerngelegenheit mit besonders niedriger Hemmschwelle.
Jedoch birgt der unkritische Einsatz von KI beim Lernen auch Risiken. Von über 600 Teilnehmenden zeigte die jüngere Altersgruppe (17–25 Jahre) beispielsweise eine häufigere KI-Nutzung und einen höheren Wert an kognitivem Offloading, also dem Auslagern mentaler Anstrengung. Gleichzeitig wurden tiefere Werte beim kritischen Denken gemessen. Bei der Altersgruppe ab 46 Jahren zeigten die Resultate ein umgekehrtes Bild: weniger KI-Nutzung und kognitives Offloading, aber ein höherer Wert beim kritischen Denken. In der Studie zeigte sich klar, dass eine höhere Nutzung künstlicher Intelligenz mit tieferem kritischem Denken einhergeht.9 Gerade für das lebenslange Lernen ist kritisches Denken jedoch eine unverzichtbare Kernkompetenz. KI-Tools sollten daher bewusst als Werkzeug eingesetzt werden und nicht als Ersatz für das eigene Denken.10
KI in Therapie und Coaching
KI kann Lernprozesse personalisieren und für viele jederzeit zugänglich machen. Doch wo es um persönliche Entwicklung und tiefgreifende Veränderung geht, stösst sie an ihre Grenzen. Genau hier schliesst Coaching an. Coaching ist nicht nur in krisengeprägten Zeiten oder akuten Situationen eine wichtige und nachhaltige Strategie, sondern kann auch als Lernbegleitung über die unterschiedlichen Lebensphasen hinweg eine sinnvolle Ergänzung sein. Im Coaching gibt es gemäss Geissler (2024) sieben unterschiedliche Idealtypen, wie künstliche Intelligenz eingesetzt werden kann. Einerseits können Coaches die KI fürs Brainstorming, zur Vor- und Nachbereitung, Transkription sowie zur Analyse eigener Coaching-Fähigkeiten nutzen. Andererseits können Coachees die KI als Gesprächspartner nutzen oder zur Unterstützung beim Bearbeiten von Aufgaben beiziehen. Diese Verwendung kann dann in den Coaching-Sitzungen besprochen werden.11
Beim Umgang mit künstlicher Intelligenz müssen stets rechtliche und ethische Aspekte sowie entsprechende Leitfäden berücksichtigt werden. Personenbezogene und vertrauliche Daten sollten nie in ein KI-System eingegeben werden. Hier soll ein besonderer Fokus auf den Datenschutz (DSGVO) gelegt werden, damit vertrauliche Daten auch vertraulich bleiben1. Zusätzlich kann der Coach darüber entscheiden, ob seine Arbeitsmaterialien in KI-Systemen eingespielt werden dürfen oder nicht.
Doch die Chancen und Gefahren von KI im Therapie- und Coaching-Bereich werden klar aufgezeigt: Im Rahmen einer NANODokumentation12 wurde anhand eines Experiments getestet, ob Teilnehmende noch unterscheiden können, ob sie im therapeutischen Rahmen mit einer KI oder einem Menschen sprechen. Zwei von drei Teilnehmenden konnten dies nicht mehr korrekt einordnen. Die Teilnehmenden empfanden konkrete Handlungsanweisungen und Tipps von der KI als hilfreich, doch dies reicht oft für eine nachhaltige Besserung nicht aus. Es zeigte sich, dass die KI für die Psyche eine Gedankenstütze darstellen und bei wiederkehrenden Problemen für Entlastung sorgen kann, jedoch die Arbeit mit den Klienten in menschlicher Hand ist und bleiben soll.12 Denn was KI nicht leisten kann, ist eine echte Beziehung zwischen Coach und Coachee. Und genau das ist der unersetzliche Kern menschlicher Begleitung.
Ein Blick in die Zukunft
Lebenslanges Lernen war schon immer die Haltung, und diese beginnt im Kopf. Mit einem Growth Mindset, das Veränderung als Chance begreift, und mit neuen Werkzeugen wie KI, die Lernprozesse personalisieren und jederzeit zugänglich machen, entstehen völlig neue Möglichkeiten. Mit der Unterstützung von Coaching kann diese Lernreise bewusst, effektiv und nachhaltig gestaltet werden. Was jedoch bleibt, ist die menschliche Verantwortung, und diese bleibt ein Leben lang. Lebenslanges Lernen ist letztlich keine Pflicht, sondern eine der grössten Chancen, die uns das Leben bietet.
Quellenangaben
1 Fuchs, S. (2025, 12. November). Lebenslanges Lernen im KI-Zeitalter: Ihr Schlüssel zum Erfolg. Quality. www.quality.de/talent/ lebenslanges-lernen-im-ki-zeitalter-ihr-schluessel-zum-erfolg/
2 Tickner, A. (26. Februar). Generation KI: Neue Skills für ein neues Zeitalter. Speexx. /www.speexx.com/de/speexx-blog/generation- kineue- skills-fuer-ein-neues-zeitalter/
3 UNESCO (2025, 13. Februar). What you need to know on lifelong learning. www.unesco.org/en/lifelong-learning/need-know
4 Haufe akademie (o. D.). Lebenslanges Lernen: Kontinuierliche Entwicklung als Erfolgsfaktor. www.haufe-akademie.de/blog/glossar/ lebenslanges-lernen/
5 Westermann Gruppe (o. D.). Selbstgesteuertes Lernen – Schlüsselkompetenz in der Ausbildung. www.westermann.de/landing/ ausbilder-blog/selbstgesteuertes-lernen
6 Schoser, S. (o. D.). «Growth Mindset» vs. «Fixed Mindset»: Beginnt Erfolg wirklich im Kopf?. Universität Stuttgart. www.project. uni-stuttgart.de/agility-lab/agility-uni-stuttgart/agile-werkzeuge/ growth-mindset-vs.-fixed-mindset/
7 Latzer, M. & Festic, N. (2024). «Künstliche Intelligenz» in der Schweiz 2024: Kenntnisse, Nutzung und Einstellungen zur generativen KI. Zürich: Universität Zürich. mediachange.ch/research/ artificial-intelligence-applications/
8 Falck, J. (2024, 02. Juni). Künstliche Intelligenz in der Schule. Blog für Schulentwicklung, Digitalisierung, Fortbildung, Unterricht und KI. joschafalck.de/ki-in-der-schule/
9 Gerlich, M. (2025). AI Tools in Society: Impacts on Cognitive Offloading and the Future of Critical Thinking. Societies, 15(1), 252. doi.org/10.3390/soc15010006
10 Baumgartner, A. (2024, 21. November). Kritisches Denken. ZAL. www.zal.ch/kritisches-denken/
11 Geissler, H. (2024). Die neue Generation der Coaching-Medien. Training aktuell, 35(5), 11–14.
12 NANO (2026, 9. März). Ich werde von einer KI therapiert. 3 Sat. www.srf.ch/play/tv/nano/video/ich-werde-von-einer- kitherapiert? urn=urn:srf:video:63568055-d1d1-45f4-9eede612a799594c
