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Lernen früher und heute: Wie verändert KI unser Lernen?
Lernen war schon immer weit mehr als das reine Speichern von Wissen. Bereits in den 1960er-Jahren beschrieb der Psychologe Albert Bandura mit seiner Theorie des «Lernens am Modell», wie Menschen Verhalten durch Beobachtung übernehmen. Kinder lernen Sprache durch Nachahmung, Mitarbeitende orientieren sich am Kommunikationsstil ihrer Führungskraft. Auch heute geschieht das – einfach digital erweitert: Wir verfolgen Tutorials, fragen ChatGPT oder analysieren Beiträge auf LinkedIn. Die entscheidende Frage ist, welche Vorbilder uns prägen – analog wie digital.
Doch Lernen funktioniert nicht nur über Vorbilder, sondern auch über Erfahrungen. So zeigte B. F. Skinner bereits in den 1950er-Jahren mit seinen Experimenten, dass positive Erfahrungen Verhalten verstärken. Wer für eine gelungene Präsentation Anerkennung erhält, tritt meist selbstbewusster auf. Diesen Mechanismus nutzen auch digitale Lernplattformen: Badges oder Fortschrittsanzeigen sorgen für kleine Erfolgserlebnisse und motivieren zum Dranbleiben. Sichtbare Fortschritte vermitteln Orientierung, sind aber noch kein Beweis für Lernen.
Denn trotz aller technologischen Entwicklungen bleibt Lernen eine Blackbox. Obwohl wir heute deutlich mehr über Hirnprozesse wissen, bleibt rätselhaft, weshalb manche Inhalte hängen bleiben und andere nicht. Besuchen zwei Personen denselben Kurs, verändert vielleicht nur eine ihr Verhalten nachhaltig. KI kann Lernwege personalisieren – Motivation, Emotionen und persönliche Erfahrungen jedoch nicht ersetzen. Denn nachhaltig lernen wir nicht, weil wir müssen, sondern weil Inhalte anwendbar sind und für uns persönlich Bedeutung haben – mit oder ohne KI.
Verändert KI unser Lernen tatsächlich? Teilweise, aber nicht im Kern. KI verändert Werkzeuge und den Zugang zu Wissen. Dabei überschätzen wir oft, wie einfach Lernen wirklich ist. Die Grundlagen des Lernens bleiben konstant: Wir lernen durch Vorbilder, Erfahrungen, Wiederholung und Bedeutung. Nachhaltiges Lernen bleibt anspruchsvoll.
Diese Kolumne ist in der Ausgabe Juli/August 2026 von personalSCHWEIZ erschienen.
