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Künstliche Intelligenz: Werden Headhunter überflüssig?
Werden wir Headhunter in Zeiten von KI überflüssig? Diese Frage höre ich oft. Was daran stimmt: der Begriff Headhunter. Der ist überflüssig. Vor Kurzem suchte ich für ein Treuhandmandat einer Kanzlei eine Person, die auf keiner Jobplattform sichtbar war. Kein Inserat hätte sie erreicht. Sie suchte ja gar nicht. Mir kam zu Ohren: Mehrere kleine Kanzleien wurden übernommen. Genau dort, dachte ich, sitzen Menschen, die sich fragen, ob sie noch am richtigen Ort sind. Für die Marktrecherche half mir Claude – Muster erkennen, Übernahmen einordnen. Das kann KI erstaunlich gut. Dann kam der Teil, den mir keine KI abnehmen konnte: die richtige Person auf LinkedIn ansprechen, ohne aufgesetzt zu klingen; Vertrauen aufbauen, obwohl sie nie gesucht hatte; und im Gespräch die Person erspüren – über den CV hinaus. Genau das passierte bei ihr. Der CV war nicht eindeutig – die Kundin hätte sie sonst kaum in Betracht gezogen. Erst das Gespräch zeigte, ob Lücken und Zögern stimmig waren. Dieses Feingefühl wächst nicht über einen Prompt. Es wächst über Jahre. Und meine Kundin, die Kanzlei? Auch sie hätte kein Tool überzeugt. Ein Algorithmus findet Profile, aber keine Teamkultur. Er merkt nicht, wenn jemand nur auf dem Papier passt. Genau da sage ich auch mal Nein – selbst wenn es meine Provision kostet. Deshalb ist unsere Arbeit nie eine reine Lieferantenangelegenheit. Es geht um Menschen, auf beiden Seiten. Sie wollen begleitet werden, nicht abgefertigt. Das ist Partnerschaft – ein ehrlicher Austausch. Keine Bestellung. KI nimmt uns ab, was nie unser eigentlicher Wert war. Und schenkt uns Zeit fürs Wesentliche: zuhören, verstehen, Vertrauen verdienen durch dienen. Deshalb sind wir Dienstleister. Wer nur Lebensläufe verschickt, wird zu Recht ersetzt. Wer Menschen wirklich sieht, wird gerade erst richtig gebraucht. Wer heute schon wissen will, wer morgen noch Headhunter braucht, sollte weniger auf den Lebenslauf schauen. Und mehr auf das, was dazwischensteht. Menschlichkeit.
Diese Kolumne ist in der Ausgabe Juli/August 2026 von personalSCHWEIZ erschienen.
