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Kolumne #HReinfachgedacht: Zwischen Burn-out und Budget
Ich habe einige Jahre als Jobcoach Integration gearbeitet. In einem Modell, das sich Supported Employment nennt: Ich habe Menschen begleitet, die nach einem Burn-out wieder in den Arbeitsmarkt zurückfanden. Der Wiedereinstieg nach einem langen Ausfall ist alles andere als selbstverständlich. Es braucht Begleitung und jemanden, der vermittelt – zwischen dem, was war, und dem, was jetzt gerade möglich ist.
Meine Rolle war einfach, aber nicht leicht: zuhören, vermitteln, stabilisieren. Zwischen der Mitarbeiterin und dem Vorgesetzten. Zwischen dem, was erwartet wurde, und dem, was für die Klienten realistisch war. Ich war nicht HR und auch keine Therapeutin. Ich war eine neutrale Person, die dann da war, wenn es ohne Begleitung nicht mehr ging.
Was mich dabei immer beschäftigt hat: Diese Menschen wären oft gar nicht so weit gekommen, wenn früher jemand hingeschaut hätte. Die meisten Absenzen kommen nicht plötzlich. Sie kündigen sich an in kleinen Momenten, die im Betriebsalltag untergehen. Ein Mitarbeiter, der sich zurückzieht. Eine Mitarbeiterin, die plötzlich auf alles überreagiert. Jemand, der aufhört zu fragen. Wer früh hinschaut, kann handeln. Wer wartet, bis jemand ausfällt, zahlt viel mehr, als eine Prävention je gekostet hätte.
In meiner perfekten HR-Welt hat jedes Unternehmen einen Inhouse-Jobcoach. Jemanden mit Coaching-Kompetenz, der nicht in der Linie sitzt, keine Disziplinarverantwortung trägt und nicht im Sinne der Geschäftsleitung urteilt. Jemanden, zu dem man gehen kann, bevor es brennt. Eine Anlaufstelle, die Zeit hat für das Wohlbefinden der Mitarbeitenden auf Stufe Körper, Geist und Seele. Das HR ist oft überlastet, administrativ eingebunden und sitzt letztlich auf der Seite der Geschäftsleitung. Wer im Zweifel für die Firma entscheidet, kann nicht gleichzeitig die neutrale Anlaufstelle für die Mitarbeitenden sein.
Prävention ist immer günstiger als Rehabilitation. Das gilt in der Medizin, und es gilt auch in der Arbeitswelt. Ein Inhouse-Jobcoach kostet. Aber er kostet weniger als Fehlzeiten, Krankentage und ein Supported-Employment-Programm, das den Schaden wieder repariert, den man hätte verhindern können.
#HReinfachgedacht ist die regelmässige Kolumne von Selma Kuyas. Diese Folge ist in der September-Ausgabe 2026 erschienen.
