Aktuelles

Kolumne Oktober 2019

Ethik: Wirtschaft und Ethik

Jeden Monat wirft in unserer Kolumne eine Persönlichkeit aus der HR- und der Wirtschaftswelt einen Blick auf aktuelle Themen und Entwicklungen. Diesen Monat beschäftigt sich Mathias Schüz mit der Ethik in der Wirtschaft.

Von: Mathias Schüz  Teilen 

Prof. Dr. phil. Mathias Schüz

Prof. Dr. phil. Mathias Schüz, Studium der Physik, Philosophie und Pädagogik, langjähriges Vorstandsmitglied der Gerling Akademie für Risikoforschung in Zürich. Heute forscht und lehrt er über Responsible Leadership und Unternehmensethik am Zentrum für Human Capital Management der ZHAW in Winterthur.

Ethik

Das HR schreibt: Diesen Monat mit Mathias Schüz, Professor für Responsible Leadership und Unternehmensethik am Zentrum für Human Capital Management der ZHAW, Winterthur.

Es ist ein weit verbreitetes Missverständnis, dass Wirtschaft und Ethik sich zueinander verhalten wie Feuer und Wasser. Ethik sei ein Hemmschuh für das Geldverdienen. Erst wenn man viel verdient hat, könne man sich allenfalls auch für ethische (z.B. philanthropische) Belange engagieren.

Diese Logik der Profitmaximierung ignoriert jedoch, was ökonomisches Handeln ausmacht. Es basiert auf fairem Tausch, also auf einem Gleichgewicht von Geben und Nehmen. Beide Seiten sollen davon profitieren. Wer mehr nimmt als er gibt, tauscht nicht, sondern täuscht. Wer mehr gibt als er nimmt, schenkt. Ein Tauschgeschäft ist also die Mitte zwischen Raub und Geschenk. Dahinter steckt die Goldene Regel der Ethik: «Behandle den anderen so, wie du gerne behandelt werden willst!» Da kaum einer gerne über den Tisch gezogen werden will, soll er auch den anderen nicht über den Tisch ziehen. So erweist sich die Ökonomie als ein Spezialfall der Ethik.

Indem diese Kernbotschaft der Ökonomie missachtet wird, erweist sich ein Grossteil aller Transaktionen als Räuberei. Zu der tragen auch wir Konsumenten bei. Wenn wir ein Smartphone kaufen, unterstützen wir zahlreiche Diebstähle entlang seiner Wertschöpfungskette – etwa bei der Ausbeutung seltener Erden durch Kindersklaven. So gesehen ist der Preis, den wir dafür zahlen, eher räuberisch als fair.

Solange Unternehmer oder Manager zwischen ökonomischer, sozialer und ökologischer Verantwortung einen Zielkonflikt beklagen, ist der nächste Ethikskandal vorprogrammiert. Dieselgate oder Naturzerstörung, Insidertrading oder Subventionsbetrug, Preisabsprachen oder Korruption, Mobbing oder Lohndumping, all das hat nichts mit wirtschaftlicher Notwendigkeit zu tun, sondern ist schlichtweg die Räuberei mafiöser Organisationen. Unternehmen agieren nur dann ökonomisch, wenn sie bei der Erstellung und dem Vertrieb ihrer Produkte und Dienstleistungen alle involvierten Tauschpartner fair behandeln. Dann handeln sie auch ethisch.

Diese Kolumne ist in der Oktoberausgabe 2019 von personalSCHWEIZ erschienen.

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