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Covid-19 und die Global Mobility Workforce: Das Grounding der Business Class

René Rey, Mitinhaber von Sgier + Partner, der Schweizer Consulting Firma für Immigration, Tax Consulting für Expats und Relocation Services, über die Konsequenzen der aktuellen Krise für seine Branche, die Zukunft der Personalmobilität und die Chancen neuer Arbeitsformen nach Covid-19.

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Covid-19 und die Global Mobility Workforce

Sgier + Partner betreut unter anderem international tätige Unternehmen, die beispielsweise Projekte bei ihren Kunden lokal realisieren und ihre Spezialisten rund um den Globus schicken. Diese bilden oft ganze Projektteams, bestehend aus ausgewiesenen Fachkräften aus aller Herren Länder. Die klügsten Köpfe werden zusammengezogen, lösen oder implementieren vor Ort ihre Aufgaben. Dies können Einsätze von Tagen, aber auch Wochen oder Monaten sein. Ist das Projekt abgeschlossen, ziehen diese «Global Nomads» weiter in ein anderes Land. Längerfristige Entsendungen sind heutzutage internationale Transfers, bei denen ein Mitarbeitender einen lokalen Arbeitsvertrag im Einsatzland erhält. Hier ist unsere Dienstleistung gefragt: Internationale Transfers bedingen präzise Antworten zu komplexen Themen wie etwa Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen, Relocation Services, Einreisebestimmungen, Steuer- und Sozialversicherungsrecht. Die Spezialisierung, Kostengründe, aber auch der überall herrschende Fachkräftemangel verlangen die Rekrutierung von Top-Spezialisten weltweit.

Plötzlich steht fast alles still
Seit Covid-19 sind die Grenzen jedoch praktisch überall dicht. Neue Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen werden von den Ämtern nur noch für spezielle Branchen (vor allem im Gesundheitsbereich, Medizin und Forschung) erteilt. Ansonsten werden nur noch Verlängerungen bewilligt. Die «mobile Workforce» ist über Nacht immobil geworden. Flugzeuge stehen am Boden, die internationalen Züge machen vor den Grenzen halt. Firmen haben ihre Projekte sistiert oder verschoben. Planungssicherheit ist durch Chaos ersetzt worden. Wie und wann es weitergeht, weiss derzeit eigentlich niemand.

Die Konsequenzen für unsere Branche
Das trifft unser Kerngeschäft ins Mark. Sgier + Partner tut als Dienstleister für Immigration Services (Management der Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen), Relocation Services (Orientierungstouren, Unterkünfte, Wohnung-/Haussuche, Settling-in Services, Beratung/Besuch für internationalen Schule, Vertragsmanagement, Behördengänge bis zu interkulturellen Trainings) und Tax Consulting für Expats alles, um einen stressfreien Personaltransfer für den Aufenthalt in der Schweiz zu gewährleisten. In den letzten fünf Jahren haben wir in der Schweiz über 10'000 Arbeits- und Aufenthaltsbewilligungen und mehr als 1'000 Relocation-Fälle gemanagt. Die Konsequenz von Covid-19: Unsere Branche steht beinahe still.
Natürlich kümmern wir uns um unsere Kunden und Partner, informieren und beraten. Viele Personalabteilungen sind stark verunsichert und haben unzählige, berechtigte Fragen. Dafür sind wir da. Wenn nötig, sind wir mit Kunden unterwegs (z.B. Behördengänge, Wohnungsbesichtigungen etc.). Die Hygieneregeln halten wir konsequent ein. Wir bieten für begleitende Fahrten ein London-Taxi mit Trennscheibe oder sogar eine Stretch- Limousine an. Unsere Botschaft: We respect physical distancing. Dieser Schock und die abrupte Veränderung unserer Geschäftswelt, ich nenne es «Grounding der Business Class» bei Reisen, Hotellerie, Gastronomie und Eventindustrie hat mich zum Nachdenken animiert. Wie wird sich die Arbeitswelt während und vor allem nach Covid-19 verändern? Ich bin überzeugt, dass sich die Krise fundamental auf die Menschen und ihre Mobilität auswirken wird – auf die Art und Weise wie sie reisen, arbeiten und konsumieren.

Unsere Mobilität macht uns kaputt
Schauen wir uns einmal kritisch an, wie allein der Luftverkehr in den letzten Jahren gewachsen ist. Dieses Wachstum zeigt stellvertretend für viele Lebensbereiche unser Dilemma: Alles wächst auf dem Planeten Erde, die Mobilität, der Konsum, die Bevölkerungszahlen, die Profite, die Luftverschmutzung usw. Nur eines wächst dabei nicht mit: der Planet Erde.
Global hat sich der Flugverkehr seit 1990 fast verdreifacht und wächst weiterhin Jahr für Jahr um fünf Prozent. Jeden Tag fliegen weltweit über 200'000 Flugzeuge von einem Flughafen zum anderen. Nie zuvor gab es mehr Passagiere: Laut der International Civil Aviation Organization (ICAO) flogen 2019 weltweit 4,3 Milliarden Menschen. Das ist mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung (2020: 7,8 Milliarden). Die Menge der zurückgelegten Flugkilometer pro Passagier wuchs um 6,7 Prozent und erreichte rund 8,2 Billionen Flugkilometer. Kein vernünftiger Mensch kann behaupten, dass diese Entwicklung gesund ist. Sie droht, uns über den Kopf zu wachsen. Jetzt kommt Covid-19, und plötzlich geht fast gar nichts mehr. Öl wird zur Ramschware, weil nur noch ein Bruchteil davon gebraucht wird.

Die internationale Arbeitswelt nach Covid-19
Der Lockdown, die massive Einschränkung unserer Bewegungsfreiheit und die Quasi-Stilllegung vieler Betriebe, ja ganzer Branchen hat die Weltwirtschaft massiv erschüttert. Die Planungssicherheit, ein fundamentaler Aspekt jeden Wirtschaftens, ist für viele Unternehmen nicht mehr vorhanden. Von ihnen wird ein hohes Mass an Agilität und Flexibilität abverlangt. Die Folgen sind derzeit noch nicht absehbar. Andere oder ganz neue Formen der Zusammenarbeit kommen jetzt auf den Prüfstand und werden bereits gelebt. Die Digital-Industrie ist bereits einer der Gewinner der Krise. In den letzten Jahren war ihr Verhältnis zu den Nutzern von Skandalen wie Monopolismus, Datenmissbrauch, Manipulationen oder Steuervermeidung und zunehmendem Misstrauen geprägt. Das rückt nun in den Hintergrund. Denn jetzt zeigt sich, wie Information Technology hilft, die Lebensbedrohung durch das Virus zu managen. Und in der Arbeitswelt werden Homeoffice- und Collaboration-Lösungen massiv nachgefragt und auch erfolgreich eingesetzt. Erstaunlicherweise funktioniert die digitale Infrastruktur bisher weltweit ziemlich zuverlässig. Homeoffice ist plözlich in aller Munde.

Homeoffice ist mehr als Klimaschutz
Wie steht es mit Homeoffice in der Schweiz? 2018 hat etwa ein Viertel der Beschäftigten zumindest gelegentlich zu Hause gearbeitet. Die Klimaschutz-Stiftung myclimate hat eine Berechnungsformel entwickelt. Ihre Zahlen klingen vielversprechend: Würden 450'000 Erwerbstätige in der Schweiz einmal pro Woche zu Hause statt im Büro arbeiten, würden sie pro Jahr rund 4,5 Millionen Kilometer weniger Auto fahren und 2,6 Millionen Kilometer weniger mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. So könnten pro Woche 1’400 Tonnen CO2 eingespart werden.
Eine Konsequenz der aktuellen Covid-19-Pandemie könnte sein, dass viele Unternehmen ihre Haltung zur Heimarbeit nicht nur kurzfristig überdenken. Erleben wir endlich einen Wandel von der Quantität (Montag bis Freitag, 9-5) hin zur Qualität (Deadlines, flexible Arbeitszeiten, Digital Teams)? Erleben wir eine erneuerte, personalisierte Arbeitskultur? Ich bin überzeugt: Die meisten Menschen sind produktiver im Homeoffice und nach der Krise wird sich eine Mischform von Home- und Präsenzoffice durchsetzen. Unternehmen werden aus den Covid-19-Erfahrungen schnell lernen. Arbeit im Homeoffice wird für noch mehr Menschen zur normalen Arbeitsform. Vielleicht durch Homeoffice-Quoten?

Homeoffice wird Vieles umkrempeln
Dazu hat Homeoffice, konzequenter praktiziert, einen hohen Kosteneffekt. Konsequenter bedeutet nicht hin und wieder ein Homeoffice-Tag, sondern mindestens drei Tage pro Woche. Unternehmen könnten damit sehr einfach hochqualifizierte Fachkräfte einstellen, auch wenn sie nicht umzugsbereit sind. Denn andere Kosten fallen weg, oder reduzieren sich dramatisch. Wer bisher 1’000m2 Bürofläche brauchte, kommt mit einem Drittel zurecht. Geschäftsreisen, Dienstwagen, Meetings, Seminare? Vieles spricht dafür, dass wir auch mit 40 – 50 Prozent unserer heutigen Mobilität auskommen können. Für die Menschen führten reduzierte Arbeitswege zu mehr Lebensqualität und sozialer Nachhaltigkeit. Pendlerströme höchstens wie zu Ferienzeiten, oder gar noch weniger. Familien verbringen mehr Zeit zusammen, Singles können ihre sozialen Beziehungen mehr pflegen, die Freizeit nimmt zu, ohne die Arbeitszeit zu reduzieren.

Die Karten werden neu gemischt
Homeoffice und die verminderte tägliche Massenmobilität hat auch im Blick auf den Klimawandel ein enormes Potenzial. Die Sogkraft städtischer Zentren, die wahnwitzige Schaffung von Büroflächen, würde sich durch Homeoffice markant reduzieren. Überdimensionierter Büroraum würde Wohn- oder Freizeitraum weichen. Infrastrukturkosten können eingespart werden und die tieferen Preise und Renditen ausgleichen. Man stelle sich vor, die Hälfte der Büros in klassischen Bürostädten würde zu günstigem Wohnraum! Dazu würde der geringere Verkehr zu verbesserter Luft und geringerem Lärm führen. Auf den ersten Blick gäbe es bei dieser Dezentralisierung der Arbeitwelt natürlich auch klare Verlierer: Ganze Industriezweige wie Airlines, Gastronomie, Hotellerie, Event- und Messeveranstalter hängen am konventionellen Businessmodell. Hier gilt wie immer im Wandel: Es muss nicht alles neu, sondern vieles anders gedacht werden. Wer alles so haben will wie früher, kann einem Umdenken nichts Positives abgewinnen.

Stay grounded, keep connected
Ein Beispiel für nachhaltiges Umdenken liefert die ETH Zürich. Sie hat sich der Nachhaltigkeit verpflichtet, nicht nur in Lehre und Forschung, aber auch in ihrer Arbeitsweise und in der Mobilität. Mehr als die Hälfte der Treibhausgas (THG) - Emissionen der ETH mit ihren 11’000 Mitarbeitenden wird durch Dienstreisen verursacht. Davon gehen wiederum ca. 93% der Emissionen auf das Konto von Flugreisen, der Rest fällt auf Autofahrten (ca. 5%) und Bahnfahrten (ca. 2 %). Eine deutliche THG-Reduzierung bei Flugreisen durch technische Entwicklungen ist im Moment nicht absehbar. Das geht nur mit einem veränderten Reiseverhalten. Mit dem Projekt «CO2-Reduzierung und Flugreisen» hat die ETH im Frühjahr 2017 ein klares Ziel definiert: Flugemissionen werden bis 2025 im Mittel um 11% gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2016–2018 gesenkt. (www.ethz.ch/flugreisen)

Wieviele Krisen können wir uns noch leisten?
Die Covid-19-Epidemie ist eine weltweite Katastrophe, die noch lange ihre Spuren hinterlassen wird. Aber die Krise ist auch eine Chance, unsere festgefahrenen Regeln zu überdenken und für die Zukunft zu lernen. Die Zeit zur Besinnung ist da, in praktisch allen Bereichen. Wir müssen uns verändern. Wir haben jetzt eine echte Chance, sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich und sozial nachhaltiger zu handeln. «Wachstum auf Teufel komm raus» ist Vergangenheit. Statt Globalisierung brauchen wir eine «Glo-balance-ierung». Die Krise wird Billionen kosten. Doch die Klimakrise, von der im Moment niemand mehr spricht, wird die Menschheit massiver treffen als das Virus. Wir wissen es alle: Die Klimakrise ist schon lange unterwegs, nur sehr, sehr langsam. Die Covid-19-Krise kann ein heilsamer Schuss vor den Bug sein. Für uns alle. Denn Veränderung muss von unten, muss von allen kommen. Nutzen wir diese Chance. Vielleicht ist sie unsere Rettung.

 

Kontakt für Rückfragen:
René Rey
Sgier + Partner GmbH
Swiss Immigration + Relocation Services
Tödistrasse 67
Postfach
CH-8027 Zürich
Telefon: +41 (0)44 228 78 90
Mobile: +41 (0)79 358 08 12
Fax: +41 (0)44 228 78 99

rene.rey@sgierpartner.ch
www.sgierpartner.ch

(Quelle: Medienmitteilung)

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