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Berufstitel-Inflation: Ein neuer Trend in der Unternehmenskultur?

Das Navigieren durch die heutige Vielfalt von Berufstiteln ist zu einem komplexen Tanz geworden, der nicht nur von den Inflationsraten von 2023 beeinflusst wird, sondern auch von einem Phänomen, das an Fahrt gewinnt - die sogenannte Berufstitel-Inflation. Christian Atkinson, Landesdirektor beim Personalvermittlungsspezialisten Robert Walters, beleuchtet diesen Trend und beschreibt ihn als die Tendenz von Unternehmen, ihren Mitarbeitern hohe Titel zu verleihen, die oft wenig substantielle Auswirkungen auf Aufgaben, Karriereentwicklung oder Vergütung haben.

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Berufstitel-Inflation

Was genau ist die Berufstitel-Inflation? 
“Berufstitel-Inflation bedeutet, dass Unternehmen seit einigen Jahren ihren Mitarbeitern schicke, beeindruckende Jobtitel geben, die jedoch oft keinen wirklichen Einfluss auf die täglichen Aufgaben, die berufliche Entwicklung oder sogar das Gehalt haben", erklärt Christian.  Laut einer Analyse von Datapeople zu mehr als 2 Millionen Stellenanzeigen im Technologiesektor haben Personalvermittler seit 2019 die Verwendung des Titels ‘Lead’ für Positionen, die eigentlich für junge Fachkräfte gedacht sind, verdreifacht. Gleichzeitig hat sich die Verwendung des Begriffs ‘Junior’ in Anzeigen halbiert. 

Warum wenden Organisationen Berufstitel-Inflation an? 
Durch die Inflation von Berufstiteln versuchen Organisationen möglicherweise zunächst, ihr Image gegenüber Kunden und Partnern glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Im letzten Jahr berichtete die Financial Times beispielsweise, dass eine der weltweit grössten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Tausende ihrer Mitarbeiter zu Partnern befördert hatte (ohne ihnen Anteile oder höhere Gewinnbeteiligung zu gewähren). Ebenso wurde bekannt, dass eine große US-Bank mehr als zehntausend ‘Vice Presidents’ zählte.  Christian erklärt: "Neben dem Streben nach Glaubwürdigkeit könnten die neuen Berufstitel es den Unternehmen ermöglichen, begrenzte Aufstiegschancen oder unzureichende Bezahlung auszugleichen. Der Jobtitel würde zu einem zusätzlichen Mittel werden, um in einem äusserst wettbewerbsintensiven Arbeitsmarkt, in dem jedes Detail zählt, die Loyalität aufzubauen. Indem sie eine ansprechende Visitenkarte versprechen, glauben Organisationen, für Kandidaten attraktiver zu werden. Dabei schaffen sie jedoch auch die Erwartung herausfordernder Verantwortlichkeiten und anregender Projekte." 

Welche Probleme verursacht die Berufstitel-Inflation? 
Obwohl es zunächst positiv erscheinen mag, den Berufstitel ‘Rezeptionist’ durch ‘Leiter Rezeption’ zu ersetzen, können sowohl für Fachleute als auch für Organisationen negative Auswirkungen auf die Karriereentwicklung entstehen. Datapeople stellt fest, dass eine unangemessene Verwendung des Begriffs ‘Senior’ die Anzahl der geeigneten Bewerbungen um 39% reduzieren kann:  - Weniger erfahrene Kandidaten könnten sich als unqualifiziert für die Position fühlen, selbst wenn sie die notwendigen Fähigkeiten besitzen.  - Erfahrene Kandidaten könnten durch eine Position unter ihrem Niveau entmutigt werden.  Christian warnt vor diesem Problem auch bei Fachleuten: “Kandidaten mit Berufstiteln, die weit über ihre tatsächlichen Fähigkeiten hinausgehen, könnten Schwierigkeiten haben, ihren beruflichen Werdegang während eines Vorstellungsgesprächs angemessen zu erklären und somit Schwierigkeiten haben, den gewünschten Job zu erhalten”. Es gibt zwei Seiten der Geschichte: Auf der einen Seite steht der Fachmann, der das Prestige seines Titels nicht verlieren möchte. Auf der anderen Seite gibt es die Organisation, die Schwierigkeiten hat, die Verbindung zwischen dem Titel und den tatsächlichen Fähigkeiten des Kandidaten zu erkennen. 

Was liegt der Berufstitel-Inflation zugrunde? 
Die inflationäre Verwendung von Berufstiteln findet zu einer Zeit statt, in der Unternehmen erhebliche Anstrengungen unternehmen müssen, um den Erwartungen der Fachleute der neuesten Generationen gerecht zu werden, ohne dies unbedingt durch Gehaltsextras zu kompensieren. Die jüngeren Generationen haben neue Ambitionen, die von Managern manchmal schwer nachvollzogen werden können. Ihre Werte und Arbeitsgewohnheiten unterscheiden sich von denen ihrer Vorgänger. Ausserdem erwarten sie, dass alles schneller vorangeht: Laut einer Umfrage von JobSage erwarten 58% der Mitarbeiter dieser Generation alle 18 Monate eine Beförderung, im Vergleich zu nur 20% der Babyboomer.  "Die inflationäre Vergabe von Berufstiteln scheint ein Versuch der Geschäftswelt zu sein, sich an Erwartungen anzupassen, die sie manchmal noch nicht vollständig erfassen kann. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt", fasst Christian zusammen. 

(Quelle: Medienmitteilung von Robert Walters)

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