Praxisfälle

Ausgabe Dezember/Januar 8/2016

Teilzeitarbeit: Spezialfall Teilzeitarbeit

Auf was ist bei Arbeit auf Abruf zu achten? Antworten auf Fragen aus der Praxis.

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Teilzeitarbeit

Was ist Arbeit auf Abruf?

Arbeit auf Abruf liegt vor, wenn der Arbeitseinsatz des Mitarbeitenden auf Veranlassung des Arbeitgebers hin erfolgt. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Arbeit auf Abruf mit Befolgungspflicht und Arbeit auf Abruf ohne Befolgungspflicht.

Was ist Arbeit auf Abruf mit Befolgungspflicht?

Bei dieser Art von Arbeit auf Abruf ist der Mitarbeitende verpflichtet, dem Abruf des Arbeitgebers Folge zu leisten. Die wichtigste derartige Arbeitsform ist die Arbeit mit kapazitätsorientierter variabler Arbeitszeit (KAPOVAZ). Der Arbeitgeber hat das vertraglich vereinbarte Recht, den Mitarbeitenden für konkrete Arbeitseinsätze einseitig abzurufen. Der Mitarbeitende muss dem Einsatz Folge leisten. Daraus folgt, dass er sich ausserhalb des Betriebs für einen Einsatz zur Verfügung halten muss. Er leistet also Bereitschaftsdienst. Dieser Bereitschaftsdienst ist entschädigungspflichtig, allerdings zu einem tieferen Ansatz als zum Lohn für den effektiven Arbeitseinsatz (BGE 124 III 251).

Was sind die Chancen und Risiken der Arbeit auf Abruf mit Befolgungspflicht?

Für den Arbeitgeber kann sich die Arbeit auf Abruf als sehr attraktiv erweisen, weil er den Einsatz des Mitarbeitenden optimal an seine Kapazitäten und Bedürfnisse anpassen kann. Der Abruf des Mitarbeitenden nach dem Bedürfnis des Arbeitgebers führt aber zu Arbeitseinsätzen mit schwankendem Umfang und Lohn und damit auch zu einem Risiko für den Mitarbeitenden. Diesem Problem kann mit der vertraglichen Vereinbarung einer Mindesteinsatzdauer begegnet werden.

Was ist Arbeit auf Abruf ohne Befolgungspflicht?

Arbeit auf Abruf ohne Befolgungspflicht liegt vor, wenn einzelne Arbeitseinsätze auf Veranlassung des Arbeitgebers erfolgen, der Mitarbeitende aber nicht verpflichtet ist, dem Abruf des Arbeitgebers Folge zu leisten. Der Abruf des Arbeitgebers ist nichts anderes als die Offerte zum Vertragsabschluss, die der Mitarbeitende annehmen kann oder nicht. Nimmt er sie an, kommt mit jedem Arbeitseinsatz ein neuer Arbeitsvertrag zustande. Die Bedingungen dieses Arbeitseinsatzes können in einem Rahmenvertrag geregelt werden.

Dürfen die Ferien eines Teilzeitmitarbeitenden durch Lohn abgegolten werden?

Nein. Die Ferien sind in jedem Fall real zu beziehen, und zwar auch dann, wenn der Ferienlohn anteilsmässig mit den laufenden Löhnen fortwährend entrichtet wird.  

Darf der Ferienlohn mit laufenden Lohnzahlungen entrichtet werden?

Die Entrichtung des Ferienlohns mit laufenden Lohnzahlungen ist nur unter drei kumulativ vorliegenden Voraussetzungen zulässig: Es muss sich, erstens, um ein sehr unregelmässiges Teilzeitarbeitsverhältnis halten. Zweitens muss der auf die Ferien entfallende Lohnzuschlag im Arbeitsvertrag vermerkt sein. Und drittens ist dieser Lohnzuschlag auch in jeder einzelnen Lohnabrechnung auszuweisen. Sind diese Voraussetzungen nicht allesamt erfüllt, droht dem Arbeitgeber, die Ferien des Mitarbeitenden noch einmal bezahlen zu müssen, obwohl er sie mit den laufenden Lohnzahlungen ja bereits bezahlt hat (Gefahr der Doppelzahlung).

Haben auch Teilzeitmitarbeitende im Stundenlohn einen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall?

Ja. Wenn das Arbeitsverhältnis mehr als drei Monate gedauert hat oder für mehr als drei Monate eingegangen ist, hat der Teilzeitmitarbeitende im Rahmen von Art. 324a Abs. 1 OR einen Anspruch auf beschränkte Lohnfortzahlung (Art. 324a Abs. 1 OR), und zwar unabhängig davon, ob er im Stunden- oder im Monatslohn angestellt ist.

Wie ist der Teilzeitmitarbeitende bei der Pensionskasse versichert?

Wer bei einem Arbeitgeber einen Jahreslohn von nicht mehr als CHF 21‘150.00 (Eintrittsschwelle; nicht zu verwechseln mit dem Koordinationsabzug) verdient (Stand 2016), ist in der beruflichen Vorsorge nicht obligatorisch versichert. Arbeitgebende können diese untere Grenze jedoch freiwillig dem Beschäftigungsgrad anpassen: Bei einem 50%-Pensum ist dann beispielsweise der Beitritt zum BVG bereits ab CHF 10‘575.00 Jahreseinkommen möglich. Wichtig: Wenn das Totaleinkommen aus mehreren Teilzeitstellen die Eintrittsschwelle übersteigt, kann der Teilzeitmitarbeitende die Versicherung bei einer der Pensionskassen oder einer regionalen Auffangeinrichtung verlangen.  

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