• Fachmagazin
  • Praxisfälle
  • Pikettdienst / Arbeit auf Abruf: Wie viele Mitarbeitende braucht es für einen 24/7-Pikettdienst?

Praxisfälle

Pikettdienst / Arbeit auf Abruf: Wie viele Mitarbeitende braucht es für einen 24/7-Pikettdienst?

Wir geben rechtssichere Antworten auf die wichtigsten Praxisfragen zu Pikettdienst und Arbeit auf Abruf.

Von: Marc Prinz, Florian Schaub  Teilen Kommentieren 

Marc Prinz

Marc Ph. Prinz, LL.M., ist Leiter des Arbeitsrechtsteams der Kanzlei VISCHER. Er verfügt über langjährige Praxiserfahrung in allen Fragen des Arbeitsrechts. Er berät Arbeitgeber und Kader und vertritt diese in Gerichtsprozessen, insbesondere im Bereich Vergütung und Bonus.

Florian Schaub

Florian Schaub ist Anwalt im Arbeitsrechtsteam der Kanzlei VISCHER. Er berät und vertritt nationale und internationale Klienten in allen Belangen des Arbeitsrechts, bei sozialversicherungsrechtlichen Fragen sowie in allgemeinen vertragsrechtlichen Angelegenheiten.

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben. Wir freuen uns, wenn Sie den ersten Kommentar zu diesem Artikel verfassen.
 

Kommentar schreiben

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben! Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte Wert angeben!

Bitte alle fett beschrifteten Pflichtfelder ausfüllen.
Zurücksetzen
 

Was muss für einen 24/7-Pikettdienst beachtet werden?
Da der einzelne Arbeitnehmer innerhalb von vier Wochen während maximal sieben Tagen auf Pikett sein darf und sich an den letzten Dienst zwei dienstfreie Wochen anschliessen müssen, sind dafür im Prinzip vier Arbeitnehmer erforderlich. Erfahrungs­gemäss verlangen die Arbeitsämter aber mindestens fünf Arbeitnehmer, um Ferienabsenzen oder kurzfristige Ausfälle (bei Krankheit, Unfall etc.) kompensieren zu können.

 

Kann von dieser Regel auch abgewichen werden?
Ausnahmsweise erlaubt Art. 14 Abs. 3 ArGV 1, dass ein Arbeitnehmer im Zeitraum von vier Wochen an bis zu 14 Tagen auf Pikett sein darf. Dies aber nur unter der Voraussetzung, dass aufgrund von Grösse und Struktur des Betriebs die erforderlichen Personalressourcen fehlen und die effektiven Piketteinsätze im Durchschnitt eines Kalenderjahres nicht mehr als fünf Einsätze pro Monat ausmachen.

In der Praxis üben die Behörden bei der Anwendung dieser Ausnahmebestimmung grosse Zurückhaltung. Laut SECO sind den Arbeitnehmern zudem trotz dieser allfälligen Lockerung jeweils zusammenhängende Wochen ohne Pikettverpflichtungen einzuräumen.

Wie ist die Entschädigung für Bereitschaftsdienst ausserhalb des Betriebs zu bemessen?
Wir empfehlen in jedem Fall, diese Frage vertraglich zu regeln. Beim Fehlen einer vertraglichen Vereinbarung bemisst sich der Ansatz nach der Üblichkeit oder Billigkeit. Massgebend ist dabei, wie stark der Arbeitnehmer in der Gestaltungsfreiheit seiner Freizeit im Interesse des Arbeitgebers beschränkt ist. Zu berücksichtigen sind neben der Höhe des Entschädigungsansatzes die Dauer der Rufbereitschaft, deren Lage (z.B. nur während Bürozeiten oder auch in der Nacht und an Wochenenden) und die erforderliche Reaktionszeit. Die Anknüpfung an tatsächliche oder hypothetische Einsätze ist dagegen nur beschränkt tauglich.

Dies hat zur Folge, dass laut Bundesgericht bei nur geringfügiger Beschränkung der persönlichen Gestaltungsfreiheit des Arbeitnehmers eine Entschädigung auch entfallen kann. Bei sehr kurzer Interventionszeit kann dagegen von Freizeit kaum vernünftiger Gebrauch gemacht werden. Als Faustregel kann in Anlehnung an die Sonderbestimmung in Art. 8a Abs. 1 ArGV 2 (für Krankenanstalten und Kliniken) festgehalten werden, dass die Zeitspanne zwischen dem Aufruf an den Arbeitnehmer und dem Eintreffen am Arbeitsort grundsätzlich mindestens 30 Minuten betragen sollte.

Was passiert, wenn bei Arbeit auf Abruf nicht genügend Arbeit zugewiesen werden kann?
Das Bundesgericht hatte in einem neueren Urteil (4A_534/2017 vom 27. August 2018) Gelegenheit, sich dazu zu äussern. Zu beurteilen waren Lohnforderungen eines Malers, der für einen Einzelunternehmer in unregelmässigem Umfang und im Stundenlohn tätig war. Das Gericht kam zum Schluss, die Parteien hätten Teilzeit mit Arbeit auf Abruf vereinbart. Letzteres sei zulässig, stosse aber bei einem unvermittelten Einbruch des monatlichen Arbeitsvolumens an seine Grenze. Der Arbeitgeber dürfe nicht von einem Tag auf den anderen auf die Dienste des Arbeitnehmers verzichten und ihn so um seinen Verdienst bringen.

Im konkreten Fall hatte es im Belieben des Arbeitgebers gestanden, den Arbeitnehmer einseitig nach eigenen Bedürfnissen abzurufen und damit dessen Arbeitszeit und Vergütung zu bestimmen. Dies führte dazu, dass der Arbeitnehmer in einzelnen Monaten überhaupt nicht eingesetzt wurde und damit auch keinen Lohn verdiente. Das Bundesgericht sah darin eine verbotene Überwälzung des Unternehmerrisikos auf den Arbeitnehmer. Kann die Arbeit aus Verschulden des Arbeitgebers nicht geleistet werden, gerät dieser in sog. Annahmeverzug und bleibt zur Weiterausrichtung des Lohnes verpflichtet (Art. 324 Abs. 1 OR). Da sich aus der Abmachung der Parteien keine Rückschlüsse auf das konkret zu erwartende Arbeitsvolumen ziehen liessen, ermittelte das Bundesgericht anhand von Stundenrapporten vorangegangener Monate ein durchschnittliches Pensum von 25 Prozent und sprach dem Arbeitnehmer den darauf entfallenden Stundenlohn zu.

Seminar-Empfehlung

Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

Arbeitsrecht – Arbeitszeit und Absenzen

Sicherer Umgang mit Arbeitszeit, Mehrstunden, bezahlten und unbezahlten Absenzen

Frischen Sie Ihr Know-how zu Arbeitszeitmodellen auf, lernen Sie die aktuellste Rechtsprechung kennen und profitieren Sie von konkreten Vorschlägen für vertragliche Regelungen.

Nächster Termin: 04. Juni 2019

mehr Infos

Fachmagazin jetzt abonnieren
personalSCHWEIZ
  • Kompetent
  • Fokussiert
  • Praxisorientiert
  • Swissmade
Seminar-Empfehlungen
  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Arbeitsrecht – Arbeitszeit und Absenzen

    Sicherer Umgang mit Arbeitszeit, Mehrstunden, bezahlten und unbezahlten Absenzen

    Nächster Termin: 04. Juni 2019

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Arbeitsrecht 4.0 & New Work

    Rechtliche Stolpersteine bei Arbeit 4.0 vermeiden

    Nächster Termin: 03. Juli 2019

    mehr Infos

  • Praxis-Seminar, 1 Tag, ZWB, Zürich

    Grundlagen-Seminar Arbeitsrecht

    Sicher im Umgang mit den wichtigsten Arbeitsrechtsfragen

    Nächster Termin: 21. Mai 2019

    mehr Infos

  • Fachmagazin
  • Praxisfälle
  • Pikettdienst / Arbeit auf Abruf: Wie viele Mitarbeitende braucht es für einen 24/7-Pikettdienst?