Praxisfälle

Arbeitsverhinderung: Wenn ein stichhaltiges Alibi fehlt

Unverschuldete Arbeitsverhinderungen sorgen immer wieder für arbeitsrechtliche Streitigkeiten. Rechtssichere Antworten auf typische Praxisfragen.

Von: Thomas Wachter   Teilen   Kommentieren  

Thomas Wachter

Nach mehreren Stellen in verschiedenen Unternehmungen, arbeitet T. Wachter nun seit 12 Jahren im Personalamt des Kantons Luzern. Früher als Bereichspersonalleiter, Leiter Personal- und Organisationsentwicklung, aktuell als Leiter HR-Support sowie Mitglied der Geschäftsleitung. Weitere Tätigkeiten sind: Lehrgangsleitungen und Dozent für Personalmanagement, -administration und -führung. T.Wachter ist unter anderem Autor und Herausgeber der WEKA-Werke «PersonalPraxis» und «Praxisleitfaden Personal».

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Arbeitsverhinderung

Ein Mitarbeiter unserer Grossgärtnerei ist wegen eines Rückenleidens arbeitsunfähig. Kürzlich wurde er jedoch dabei beobachtet, wie er in seinem Garten Bäume schnitt. Widerlegt dies seine Arbeitsunfähigkeit?

Eine Arbeitsverhinderung kann dadurch widerlegt werden, dass der Arbeitnehmer bei der Ausübung einer Tätigkeit beobachtet wird, für die er arbeitsunfähig geschrieben wurde. In diesem Fall trifft dies ohne Frage zu. Hingegen widerlegen blosse Spaziergänge oder Einkäufe für die Verpflegung eine Arbeitsverhinderung nicht, da der Arbeitnehmer schliesslich auch für einen Arztbesuch das Haus verlassen muss.

Ein Mitarbeiter war zwei Wochen krankgeschrieben. Nun hat sich herausgestellt, dass der Arzt dem Mitarbeiter ein Arztzeugnis ausgestellt hat, ohne ihn überhaupt zu untersuchen. Dürfen wir den Mitarbeiter deshalb fristlos entlassen?

Bekommt der Arzt den Arbeitnehmer während der Dauer der geltend gemachten Arbeitsunfähigkeit nie zu Gesicht, ist die Arbeitsverhinderung nicht nachgewiesen. Die Absenz gilt somit als nicht belegt und die fristlose Entlassung müsste als gerechtfertigt angesehen werden, wenn der Arbeitnehmer seine Krankheit nicht anderweitig nachweisen kann.

Nach einer längeren Arbeitsverhinderung kamen Zweifel an der Richtigkeit eines Arztzeugnisses auf. Als wir beim Arzt nachfragen wollten, hat sich die Mitarbeiterin auf das Arztgeheimnis berufen. Müssen wir dies akzeptieren?

Hat der Arbeitgeber berechtigte Zweifel an der Richtigkeit des Arztzeugnisses, wird im Streitfall vom Gericht regelmässig die Krankheitsgeschichte beigezogen und vielfach auch der Arzt als Zeuge befragt. Weigert sich der Arbeitnehmer, den Arzt vom Arztgeheimnis zu entbinden, trägt er die Folgen der Beweislosigkeit. Der Arzt darf in diesem Fall nur über die Dauer und den Umfang der Arbeitsverhinderung Auskunft geben.

Eine Mitarbeiterin ist arbeitsunfähig, arbeitet nun aber mehr als sie es gemäss Arztzeugnis könnte. Gilt diese Mehrarbeit als Überstundenarbeit?

Erbringt ein Arbeitnehmer eine grössere Leistung als er gemäss Arztzeugnis müsste, widerlegt er damit den Grad seiner Arbeitsunfähigkeit. Entgegen einer weitverbreiteten Meinung stellt diese Mehrleistung aber keine Überstundenarbeit dar, sondern ist mit dem normalen Lohnansatz zu vergüten.

Eine Mitarbeiterin, die zu 50 Prozent arbeitsunfähig ist, hat zwei Wochen Ferien bezogen. Sind ihr diese Ferien voll anzurechnen?

Bezieht ein ganz oder teilweise arbeitsunfähiger Arbeitnehmer Ferien, gelten diese im entsprechenden Umfang als bezogen. Auch bei teilweiser Arbeitsverhinderung werden bezogene Ferientage voll angerechnet.

Eine neue Mitarbeiterin kann die Arbeitsleistung während der Probezeit nicht erbringen, weil sie ihr krankes Kind pflegen muss. Verlängert sich dadurch die Probezeit?

Wird die Probezeit effektiv verkürzt, weil der Arbeitnehmer die Arbeitsleistung nicht erbringen kann, so verlängert sie sich entsprechend der Dauer der Arbeitsverhinderung. Dies gilt bei Krankheit und Unfall oder wenn der Arbeitnehmer eine gesetzliche Pflicht zu erfüllen hat, die er nicht freiwillig übernommen hat. Dazu gehören neben Militärdienst und gerichtlichen Vorladungen auch familiäre Pflichten, wie z. B. die Pflege des kranken Kindes.

 

 

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